Basisinformation
 

Entwicklungsprozess in der Erzdiözese Wien

Im September 2012 hat Kardinal Christoph Schönborn der Erzdiözese Wien einen Entwicklungsprozess verordnet. In den nächsten zehn Jahren sollen die Pfarrstrukturen neu geordnet werden.

Was ist bisher geschehen?

2010–2013: Drei Diözesanversammlungen
Mai 2011: Hirtenbrief von Kardinal Schönborn mit Ankündigung einer Reform
September 2012: Veröffentlichung der Leitlinien für den diözesanen Entwicklungsprozess
Juni 2013: Beauftragung aller Dechanten durch Bischofsvikar P. Dariusz Schutzki, in ihren Dekanaten den Entwicklungsprozess zu starten

Die "Pfarre neu" wird eine größere Einheit sein als bisher, in der es mehrere Teilgemeinden gibt. Demnach wird es in nächster Zukunft wichtig sein, über den Tellerrand der eigenen Pfarre hinauszuschauen. In den Stadtdekanaten 10 und 15 wurde bereits ein Weg gemeinsam getragener Verantwortung eingeschlagen, auf dem mehrere Pfarren zu einer Pfarre zusammenwachsen sollen.

Der Reformprozess der Erzdiözese Wien ruht auf den drei wesentlichen Säulen: Mission first – Jüngerschaftsschulung – Strukturentwicklung

Mission first

Die Kirche ist immer missionarisch. Wo sie es nicht mehr ist, hört sie auf, Kirche zu sein. Unser gesamtes Tun soll den Kern des Missionarischen in sich tragen. "Mission" heißt nichts anderes, als unsere eigene Sendung in der Welt zu erkennen. Wir sind "Gesandte an Christi statt", wie Paulus uns zuruft (2 Kor 5,20). Von diesem Denkbeginn an können wir "Mission" neu denken und entdecken. "Mission" heißt erstrangig, unsere Sendung in der Welt zu leben; und nachrangig, Gott authentisch ins Gespräch zu bringen. "Mission" heißt also, in Wort und Tat unser Christsein bezeugen. Wir brauchen unser Christsein nicht verstecken. Das Bild des Christophorus kann uns weiterbringen: Christophorus trägt Christus durch einen Fluss ans andere Ufer. Trotzdem er ihm schwerer und schwerer wird, trägt er ihn weiter. Es ist unsere Aufgabe und Verantwortung, Christus hinüberzutragen in die nächste Generation, zum Nachbarn, zu Kollegen, in eine andere Familie … Dafür ist Sensibilität nötig, die erspürt: Hat jemand Sehnsucht nach Christus?

Jüngerschaftsschulung

Die Jünger und Jüngerinnen Jesu (also der über die zwölf Apostel hinausgehende Kreis) erkannten Jesus nicht sofort als den Messias, den Christus, sondern mussten dazu in seine Schule gehen. In die Schule Jesu Christi müssen auch wir gehen. Jüngerschaftsschulung heißt, auf Jesus Christus schauen, auf ihn hören und berührten Herzens ihm überzeugt zu folgen.

Für die Jüngerschaftsschulung sind wir alle verantwortlich. Dabei dürfen wir uns gegenseitig schulen, etwa indem wir einander vermitteln: Wie sieht meine persönliche Christuserkenntnis aus? Wer ist Christus für mich? Was bedeutet er für mein Leben?

Jüngerschaftsschulung ist auch eine Verantwortung der Hauptamtlichen, der Theologen. Ihre Aufgabe ist es, zu erkennen, was die ihnen anvertrauten Menschen brauchen. Im Matthäusevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: "Gebt ihr ihnen zu essen!" (14,16). Diese Aufforderung gilt auch uns heute.

Gemeinsames Priestertum

Ein wesentlicher, alles umfassender und noch nicht verwirklichter Punkt ist das gemeinsame Priestertum:

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom "gemeinsamen Priestertum" gesprochen. 50 Jahre hat es gedauert, bis man diese wesentliche Aussage des Konzils nun entdeckt hat und daraus Konsequenzen zieht. Das gemeinsame Priestertum ist Kern des Christentums und es führt direkt zur Urkirche. Im ersten Petrusbrief heißt es: "Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein (Christi, Anm.) besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat." (2,9) Bei der Chrisamsalbung der Taufe wird ausgesprochen, dass der Getaufte Anteil hat am Priestertum Jesu Christi. In der ersten Sonntagspräfation wiederum heißt es: "In ihm (Jesus Christus, Anm.) sind wir ein auserwähltes Geschlecht, dein heiliges Volk, dein königliches Priestertum."

Bei Augustinus lesen wir das wesentliche Wort: "Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade; jenes die Gefahr, dieses das Heil." Diese Aussage muss man in ihrer ganzen Tiefe sehen und im Herzen aufnehmen. Entscheidend ist "mit euch", also das gemeinsame Christsein. Durch Taufe und Firmung sind wir alle geweihte Priester, und da kann es kein Gegeneinander geben, sondern nur ein Miteinander und Füreinander.

Das gemeinsame Priestertum nimmt niemandem etwas weg; es nimmt auch den geweihten Priestern nichts weg, sondern beschenkt sie reich durch das Miteinander und Füreinander. Der geweihte Priester ist Diener am gemeinsamen Priestertum; er steht nicht für sich alleine da, sondern im Dienst am Ganzen. Daher ist auch der Ausdruck "Laie" vollkommen falsch: Entweder ist niemand Laie, oder wir alle sind Laien.

Wir müssen lernen, gemeinsam Wege zu suchen und sie gemeinsam zu gehen, damit wir die Schönheit des Glaubens entdecken können. Dann wird es uns auch leichter fallen, über den Glauben zu sprechen – etwas, das uns derzeit allen noch schwerfällt, mich eingeschlossen.

Dekanatsprozess

Mit dem hier dargelegten Hintergrund haben wir im Dekanat 17 in einer Vollversammlung am 24. Oktober 2013 in der Pfarre Dornbach in Anwesenheit des Bischofsvikars den Entwicklungsprozess im Dekanat gestartet. Eingeladen waren alle Pfarrgemeinderäte, die Mitglieder des Dekanatsrates sowie Vertreter der männlichen und weiblichen Orden und der Religionslehrer. Dieser Dekanatsprozess wird nun ein Jahr laufen, dann werden wir unserem Bischofsvikar die Resultate präsentieren. Im Jänner 2015 wird in Passau bei der diözesanen Dechantenkonferenz über die Resultate aller Dekanate beraten.

Jetzt geht es einmal darum, einander über die Pfarrgrenzen hinweg besser kennen zu lernen, pfarrliche Analysen anzustellen und zu schauen, wie sich jede Pfarre in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird.

Bei der Dekanatsvollversammlung haben wir fünf Arbeitsgruppen zu folgenden Themen gebildet: Caritas, Pastoral/Communio, Liturgie, Verkündigung, Finanzen. Diese Arbeitsgruppen haben ihre Arbeit aufgenommen. Ihre erste Aufgabe, die Analyse des Istzustandes der Pfarren, werden sie bis Ende Mai 2014, wenn die zweite Diözesanversammlung angesetzt ist, abschließen.

Dechant Dr. Karl Engelmann, 29. Oktober 2013

Druckversion (PDF)

Zurück

 

Kein Menü? > Startseite