Orgel
 

Die Orgel der Kalvarienbergkirche wurde in Jahren 1988 bis 1990 von der Orgelbauwerkstätte Hartwig Späth, Freiburg im Breisgau/Deutschland, gebaut. Die Disposition erstellten Robert Schander und Orgelbaumeister Hartwig Späth, der auch die Prospektgestaltung schuf. Die Orgel hat 2.221 klingende und 15 stumme Pfeifen. Die längste Pfeife misst 5,1 Meter, die kürzeste 14 Zentimeter. Das Gesamtgewicht der Orgel beträgt 9.000 Kilogramm. Fachleute zählen sie zu den klangschönsten Instrumenten der Stadt.

Die Orgel der Kalvarienbergkirche lehnt sich stilistisch an den französischen/elsässischen Orgelbau an, wohl auch deswegen, weil die Werkstätte sich landschaftsbezogen in seinem Einflussbereich befindet. Da die französischen Orgeln sowohl in der Barockzeit als auch in der Romantik besonders charakteristisch und aussagekräftig waren, wandte man sich diesen Instrumenten als Vorbild zu. Es wurde versucht, eine Synthese aus beiden Orgeltypen zu finden. Dabei sollten die Stilepochen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts umfasst werden. Vorbild könnte eine frühe Orgel von Cavaillé-Coll oder Callinet sein, die beide vorbeschriebenen Stilelemente enthält. Danach wäre dies eine klassische zweimanualige Anlage mit Grand Orgue und Positif, zu der als zusätzliches Element das Récit käme.

Die Orgel der Kalvarienbergkirche sollte aber keine Kopie alter Orgeln sein, sondern es entstand ein Instrument für unser heutige Zeit. Das Hauptwerk zusammen mit dem Positif stellt die barocke, das Hauptwerk mit dem Schwellwerk die romantische Komponente dar.

Bei der technischen Ausführung des Instruments wurde darauf geachtet, dass sowohl äußerlich als auch im inneren Aufbau eine ästhetische Einheit herrscht. Das bedeutet, dass nicht nur für das Gehäuse eine stilvolle Übernahme eines französischen Orgelprospekts in Massivholz erfolgte. Auch für den gesamten technischen Innenaufbau wie Windladen, Traktur, Registratur und Windversorgung wurde ausschließlich Massivholz verwandt. Für das Pedalgehäuse, das Lagerwerk und den Schwellkasten ist dies Fichtenholz, für alle übrigen Teile Eichenholz.

Bei der Planung der Traktur wurde als Ziel gesetzt, dass der Tastendruck in jedem Manual möglichst leichtgängig sein soll, wobei der Druckpunktanteil sehr deutlich ausfallen muss, um ein sicheres Spielgefühl an den Tasten zu ereichen.

Die Registratur wurde mechanisch angelegt, um alle daraus resultierenden Vorteile ziehen zu können. Zusätzlich wurde für die "Jeu de combinaison" des Schwellwerks (Récit) eine mechanische Kombination eingebaut. Eine zusätzliche Koppel "Octaves graves" verleiht dem Récit noch mehr Gravität.

Bei der Windversorgung wurden entsprechend den jeweiligen Aufgaben auch unterschiedliche Bälge verwendet. Das Hauptwerk und das Rückpositiv haben Keilbälge, das Récit hat einen parallel aufgehenden Faltenbalg erhalten. Das Pedal hat eingebaute Schwimmerbälge. Somit kann man sagen, dass das Hauptwerk und das Rückpositiv einen etwas nachgiebigeren Wind, das Récit und das Pedal "barocken" Wind haben.

Auch die Intonation vereint die Epochen des Spätbarocks bzw. der französischen Klassik (um 1750) und der beginnenden Romantik. Die Intonation des Grundstimmenbereichs im klassischen Teil (Grand Orgue und Positif) ist weich gehalten und erst bei der Doublette, Mixtur und beim Scharff mit einer lebendigeren Artikulation und einem größeren Obertonreichtum versehen. Typische Register für diesen Verlauf sind die Rohrflöte und das Scharff. Das Gegenstück dazu ist das romantische Récit mit seiner weichen Ansprache und seinem glatten, reichen und voluminösen Klangcharakter. Register wie Flute traversière und Viole de Gambe machen dies besonders deutlich.


Disposition

II. Manual, Hauptwerk (Grand Orgue)
C–g''', WS 75 mm
I. Manual, Rückpositiv (Positif)
C–g''', WS 75 mm
  1. Bourdon 16' 23. Koppel 8'
  2. Prinzipal 8' 24. Prestant 4'
  3. Flûte harmonique 8' 25. Gedecktflöte 4'
  4. Violoncelle 8' 26. Nazarad 2 2/3'
  5. Rohrflöte 8' 27. Doublette 2'
  6. Oktave 4' 28. Tièrce 1 3/5'
  7. Nachthorn 4' 29. Larigot 1 1/3'
  8. Quint 2 2/3' 30. Scharff 4f. 1'
  9. Oktave 2'       Halbzug 1'
10. Mixtur 4f. 1 1/3' 31. Cromorne 8'
11. Cornett 5f. ab g 8' Tremolo
12. Trompete 8' T


III. Manual, Schwellwerk (Récit expressiv)
C–g''', WS 85 mm
Pedal
C–f', WS 85 mm
13. Cor de nuit 8' 32. Prinzipial 16'
14. Flûte traversière 8' 33. Subbass 16'
15. Viole de Gambe 8' 34. Oktavbass 8'
16. Voix celéste 8' 35. Bourdon 8'
17. Flûte octaviante 4' 36. Hintersatz 4f. 4'
18. Octavin 2'       Halbzug 4'
19. Plein jeu 3–5f. 2' 37. Bombarde 16'
20. Hautbois 8' 38. Trompetbass 8'
21. Trompette harmonique 8'
22. Clairon 4' Accouplement  Positif/Grand Orgue
Tremolo                      Récit/Grand Orgue
                       Récit/Positif
Koppel »Octaves graves« Tirasse           Grand Orgue
Mechanische Kombination für
Jeu de Combinaison (nur Pedaltritt)
                      Récit
                        Positif
Sämtliche Koppeln sowohl Manualzug als auch Pedaltritt 
   

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Jean Adam Guillame GUILAIN
    Suite im II. Ton

Johann Sebastian BACH
    Präludium und Fuge Es-Dur, BWV 552
    Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 659
    Triosonate Nr. 5 C-Dur, BWV 529

César FRANCK
    Choral Nr. 2 h-Moll

Johannes BRAHMS
    "Es ist ein Ros entsprungen", op. 122, Nr. 8

Franz SCHMIDT
    Präludium D-Dur ("Halleluja-Präludium")


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